SAMHEIN UM DEN 01. NOVEMBER

Foto - Vesna Rau
Foto - Vesna Rau

Mancher konnte sich jetzt fragen, wieso ich mit dem 01. November anfange. Die Antwort ist, wie immer, logisch. Das keltische Jahr fing am Samhein an. Die Kelten hatten fünf Jahreszeiten, da sie zwei Winterperioden als eigenständige Jahreszeiten verstanden haben. Hier müssen wir auch bedenken, dass sich die Jahreszeiten damals, womöglich im Zeitpunkt und Länge, von den heutigen unterschieden haben.

 

Am Samhein fing die erste Winterperiode an. Alle Früchte vom Felder und Wälder, welche man verstauen und verarbeiten konnte, sind geerntet und als Wintervorrat verarbeitet worden. Alles was an den Pflanzen und Früchten noch hängt, darf, ab diesem Zeitpunkt, nicht mehr geerntet werden. Diese Früchte gehören der Erde zur Vermehrung (für die nächste Vegetationsperiode), den Tieren als Nahrung und den Elfen und Feen. Hier fängt die Winterstarre an. Die Tage sind immer kürzer. Die notwendigen Arbeiten erledigt man im Haus, denn draußen ist es kalt und ungemütlich. Nur noch die Jäger gehen, ab und zu, auf die Jagd und es wurde Feuerholz gesammelt und geschlagen. Jetzt ist die richtige Zeit gekommen, die Haustiere zu schlachten. Das Fleisch verdirbt nicht mehr so leicht und die Insekten sind nicht mehr aktiv. Die Luft ist kalt genug und der Wind vorhanden, so dass man das Fleisch sehr gut trocknen kann.

 

In Kroatien hat man die Schlachtung von Hausvieh immer Ende November verrichtet. Es wurde mir gesagt, dass das in Deutschland auch so war. Da man in alten Zeiten kein Strom und geschweige eine Kühltruhe hatte, hat man das Fleisch, das getrocknet werden konnte (Schinken, Bauchspeck, Wurst usw.) gesalzen, ggf. gekocht, geräuchert und weiter verarbeitet. Das ist auf dem luftigen und trockenen Dachboden gelandet und wurde über den Winter gut verteilt. Die Innereien und leicht verderbliches Fleisch wurden gleich gekocht und verspeist. Aus dem Schweine Rückenspeck wurde der Schmalz ausgeschmolzen und in die Fässer gegossen. Darauf hat man gekocht. Das restliche Fleisch welches man braten konnte (Nackenkamm, Rücken usw.) wurde gebraten, in Scheiben geschnitten und in den heißen Schweineschmalz eingegossen. Der Fass wurde kühl gelagert. Sobald der Schweineschmalz ausgekühlt und erhärtet ist, war das gebratene Fleisch luftdicht und sicher konserviert. So hat man, wenn man Schweineschmalz zum kochen herausgenommen hat, immer wieder auf ein Stück Fleisch gestoßen. Das hat so lecker gerochen und es war die Würze in einem Eintopf oder zur Gemüse. Das Rinderfleisch wurde fast vollständig getrocknet und diente als Proviant für die Waldarbeiter, die Schäfer und für die notgedrungenen Reisen. Da hat man, ähnlich wie Pemikan bei den Indianer, auch leckere Kugel aus zerstoßenem getrockneten Fleisch und Schweineschmalz mit Kräuter und Beeren vermischt und in ein Lederbeutel gewickelt. Ein Stück Brot gehörte natürlich zu Proviant dazu. Mmmmm, das hat geschmeckt, vor allem wenn es einem kalt war und man Hunger hatte ;-). Es wurde auch Wein angesetzt und der Schnaps gebrannt. Diese Getränke waren nicht unbedingt zum besaufen da. Sie dienten überwiegend als Medizin und zum Einsetzen der heilenden Tinkturen. Aber man hat sich auch immer wieder ein Gläschen gegönnt ;-).

 

Hier kann man sehen wie wichtig der Samhein war und wieso wurde es gefeiert. Mit den Feierlichkeiten hat man sich für die harte Arbeit belohnt und die verderblichen Lebensmittel mussten gegessen werden.

 

Es gibt natürlich auch eine Geschichte dazu: "Die strahlende Sonne wird immer schwächer und kann nicht mehr den Himmel erklimmen. Sie hängt tief am Horizont und deren Strahlen wärmen nicht mehr so sehr. Das Eis breitet sich aus. Die alte Morag steigt aus den Mooren und holt das kranke Kind, die Sonne, zu sich in Unterwelt um es zu heilen. Es wird jeden Tag dunkler und trostloser. Die Fackel ersetzen das Sonnenlicht und seine Wärme. Die Schatten sind lang. Die Wölfe, Trolle und Kobolde heulen um die Häuser. Es wird gefährlich draußen in der Dunkelheit. Sobald es zunachtet ist es besser zu Hause zu sein. Angst breitet sich aus: Haben wir genug Vorräte für den Winter? Werden wir es überleben? Wird die Sonne wieder gesund? Wie lang wird der Winter diesmal dauern? Wie viel Schnee wird fallen? Sind die Häuser stabil genug den Winter zu überstehen? Haben wir genug trockenen Holz um Feuer zu machen? Haben wir genug Heu für die Tiere vorbereitet? Frage über Frage, auf welche niemand eine Antwort hat. Irgendwo im Hinterkopf hält sich hartnäckig die Hoffnung, dass man alles richtig gemacht hat und alles gut wird. Das Feuer, als Sonnensymbol, ist in diesen Tagen sehr wichtig. Es wird auch viel geräuchert. Einerseits um die Räume Keimfrei zu halten, andererseits als kleine "Opfergaben" an die Geister. Die Geister sind in diese Zeit sehr wichtig. Man betet um deren Hilfe und Gnade, dass die Vorräte nicht verderben, dass man nicht krank wird und das Feuer am leben bleibt."

 

Das ist der Sinn und Geist des Samheins. Jetzt sieht man auch wieso das als Allerheiligen, Tag der Toten oder als Halloween gefeiert wird.

 

Samhein ist ein Mondfest und fällt auf Neumond rund um den Novemberanfang. Der Neumond ist hier wichtig, da das neue Jahr in Dunkelheit anfängt. Allerdings ist der übliche Termin (seit der Kalendereinführung) die Nacht vom 31. Oktober auf den ersten November. In dieser Nacht ist die Grenze zwischen der Dieswelt und der Anderswelt sehr dünn. Die Geister der Toten statten ihren Familien und Freunden einen Besuch ab. Die Kerzen werden für Frieden deren Seelen angezündet und es wird an sie gedacht. Die dunkelste Zeit des Jahres beginnt und es ist spirituelle Arbeit angesagt.

 

Anders als das neuzeitliche datum-gebundene Feierlichkeit, wird auf dem Keltenmond Hof der Samhein wie in den alten Zeiten gefeiert: so nah wie möglich an dem Neumond. 

 

DIE BRÄUCHE UND RITEN DIE MAN AM SAMHEIN MACHEN KANN

 

Es wird ein großer Ast, oder ein kleiner Baum (kann auch ausgetrocknet sein) in den Hof gebracht. Dieser wird vom Samhein bis zum Yul-Fest mit bunten Bänder geschmückt. Da machen alle, die vorbei kommen mit. In dieser Bänder, bindet man seine Wünsche für das neue Jahr mit. Am Yul-Fest wird dann dieser Baum feierlich verbrannt und die Wünsche werden an die große Mutter, die Geister unseren Ahnen und an die Elemente, zur Erfüllung, abgegeben.

 

Eine Kerze wird ins Fenster gestellt, so dass sich die Geister der Toten nicht verirren und den richtigen Weg nach Hause finden.

 

Der Spiegel wird mit einem schweren undurchsichtigen Tuch verdeckt. In dieser Nacht kann man die Geister in dem Spiegel sehen und sich sehr erschrecken. Das macht man, im Übrigen, auch wenn einer im Haus stirbt.

 

Auf die Hausschwelle wird ein kleines Teller mit einem Stück Brot und Wasser, für die Seelen der Ahnen, gestellt. Man kann aber auch andere Lebensmittel anbieten, wie Nüsse, trockene Früchte und statt Wasser den Wein anbieten. Da kann man sich auch an Vorlieben der verstorbenen Ahnen richten.

 

Der Reisig Besen, bevorzugt aus Birkenreisig, wird vor die Tür gestellt, um böse Geister abzuhalten.

 

Zu den ursprünglichen Samhein gehört der Kürbis nicht dazu, da es damals in Europa auch keine Kürbise gab. Nur heute haben wir die Kürbise und diese kann man, genau für diesen Tag, wunderbar verwenden. Die Bräuche haben sich immer weiter entwickelt und geändert. Die Tradition heißt nicht die Asche aufzubewahren, sondern das Feuer weiter zu geben.