Viele haben von den Rau(h)-Nächten gehört oder sogar mitgemacht, aber für viele ist der Sinn diesen Brauchs immer noch verborgen.

 

Ich werde hier versuchen ein bisschen Licht in die ganze Sache zu bringen.

 

Vorweg erwähnt, unser Familienname Rau führt auf die Vorfahren zurück welche die Rau-Ware (Tierfelle, Pelze) bearbeitet und verkauft haben. Im Dezember, vor der Raunächten, veranstalten wir regelmäßig die Räucherkurse. Die Kursveranstalterin Vesna lüftet die Geheimnisse der schamanischen Räucherung. 

 

Die Rau(h)-Nächte dauern normalerweise 12-13 Tage, denn ein Sonnenjahr (Kalenderjahr) hat ungefähr 12,5 Mondphasen, welche jeweils als ein Monat verstanden wurden. Ein Jahr mit 12 Monate gibt es erst in der Neuzeit, seit der Kalender allgemein und passend für das Sonnenjahr eingeführt wurde. Früher rechnete man grob mit 13 Mondphasen im Jahr und daher 13 Monate, für welche die 13 Rau-Nächte stehen. Laut einigen Quellen gab es früher auch 13 Sternzeichen im Tierkreis. Die Schlange verschwand im Laufe der Zeit.

 

Am Jultag (die Wintersonnenwende - 21.12.) wird die Wiedergeburt des Lichtes gefeiert. Dieses Fest wurde mit Weihnachten verschmolzen und auf den 24.12. verschoben. Jetzt bleibt es jedem selbst überlassen ab wann er die Rau-Nächte abhält / feiert. Entweder ab dem 22.12. bis zum 03.01. oder ab dem 25.12. bis zum 06.01. Wie auch immer man es festlegt ist es richtig. Denn ob man die Wiedergeburt der Sonne oder Geburt der Jesus feiert, feiert man den neuen, jungen König im Himmel.

 

DIE BEDEUTUNG UND BRAUCH FÜR DIE RAU-NÄCHTE

Während diesen 12-13 Tage nach der Wintersonnenwende herrscht eine regelrechte Starre. Die Menschen sind erleichtert, dass die Sonne wieder gesund wird und die neue fruchtbare Periode irgendwann kommt. Doch ganz sicher ist man sich noch nicht wirklich. Die Tage werden zwar nicht mehr kürzer aber auch noch nicht wirklich länger. Die Sonne versteckt sich immer noch bei der Morag / Perchta in den Mooren und bleibt ziemlich gleich bis zum 31.12.. Da geht es seeeeeehr langsam wieder aufwärts. Im Winter gab es nicht viel was man damals tun konnte. Die 13 Tage hat man gebraucht um wirklich fest zu stellen, dass sich da etwas bewegt. So hat man gewartet und gewacht. Von der ganzen Aufregung und Vorbereitungen für den Julfest, üppigen Festtagstisch war man ganz erschöpft und musste die Kräfte wieder erneuern. Es galt wieder die Wintervorräte zu sparen, denn zu diesem Zeitpunkt fing die zweite Winterperiode an (vom Julfest bis Imbolc), die viel kälter und heftiger sein wird als die erste (vom Samhein bis zum Julfest). Es wurde geprüft ob man genug Feuerholz hat und die Vorräte wurden genau rationiert. In diesen 13 Tagen hat man sich, mehr oder weniger, von den Resten ernährt, welche von dem Julfest übrig geblieben sind. Alle Arbeiten wurden eingestellt, außer die notwendigsten (Kinder, Alten und Tiere versorgen). In dieser Zeit durfte man keine Wäsche waschen, kein Handwerk ausüben, kein Lärm machen. Alles stand still und in Erwartung. Daher nennt man diese Zeit, bis Heute, "zwischen den Jahren".

 

Was hat man dann aber gemacht? Folgendes:

- geräuchert

- gebetet

- sich mit den anderen gesellt und geredet

- die Aufzeichnungen über das Wetter in diesen 12-13 Tagen gemacht

- in die Zukunft geschaut - orakelt

 

Aus dieser Erwartung, Starre und sein Ende ist wahrscheinlich, im Laufe der Zeit, der Brauch mit 3 heiligen Königen aus dem Morgenland entstanden. Denn diese kommen am Ende der Rau-Nächte vorbei und bringen eine Botschaft.

 

Interessanterweise könnte das auch so gewesen sein. Es saßen gewiss nicht alle zusammen und haben orakelt. Das war für die ausgewählten Gruppen vorbehalten. Während der 13 Tage der Wetterbeobachtung, hat sich die Prognose für das kommende Jahr ergeben. Jeden Tag stand für eine kommende Mondphase, für einen Monat im neuen Jahr. Am Ende der Rau-Nächte wurde dann verkundet wie das Wetter sein wird und die Pläne für landwirtschaftliche Tätigkeiten, Auswahl vom Saatgut, die Flächen welche bewirtschaftet werden und viel mehr, geschmiedet. Es wurde auch verkundet, dass die Sonne wieder geboren ist und die neue fruchtbare Periode mit Sicherheit kommt. Es war Schluss mit der Starre und Kontemplation. 

 

WAS WURDE NOCH ORAKELT?

Die Zeit zwischen der Jahren ist kalt und gefährlich. Die Wände zwischen den Welten (Diesseits und Jenseits) sind sehr dünn. Die Ahnenenergie ist spürbar und die Menschen empfänglich für die Botschaften und Prognosen. 

Wie immer dreht sich alles zuerst um das reine Überleben. Wenn man das gesichert hat, dann denkt man an die Liebe und Partnerschaft. Die jungen, unverheirateten, Frauen haben damals, wie auch heute, wissen wollen wer als Partner in deren Leben kommt. Diese 12-13 Rau-Nächte kamen wie gerufen. Da alle Arbeiten eingestellt waren, hat man viel Zeit zum reden und sich zu beraten gehabt. Es war gute Zeit zum Wahrsager zu gehen, aber auch selbst hat man sich Spaß geleistet. Bis heute hat sich der folgende Brauch gehalten: jede junge Frau hat 12-13 Zettel (damals Blätter, Stücke Rinde oder Stofffetzen) genommen und auf denen die Zeichen gemacht oder einfach geschrieben (wer schreiben kann). Auf die 11-12 Zettel kamen die Männer Namen. Auf jeden Zettel eins. Es könnten auch die Anfangsbuchstaben von Namen oder ein Beruf sein, welchen der Zukünftige ausüben würde. Der 12 oder 13-te Zettel bleibt leer (je nach dem ob man mit 12 oder 13 Raunächte rechnet). Diese 12-13 Zettel werden zusammengefaltet und kommen dann in ein Beutel, Hut, Korb oder Schale hinein. Jeden Tag wird ein Zettel herausgeholt und ungeöffnet verbrannt. Die junge Frau könnte auch jeden Tag alle verbliebenen Zettel in beide Hände nehmen und schütteln, bis ein Zettel herausfällt, welcher dann auch ungeöffnet verbrannt wird. Am 12 oder 13-ten Tag bleibt nur noch ein Zettel übrig. Dieser wird dann geöffnet und es zeigt sich was für ein Mann in Leben der Jungen Frau kommen soll. Wenn nur der leere Zettel übrig bleibt, heißt es, dass die Zeit zum Heiraten und Familie gründen noch nicht gekommen ist. 

 

WARUM WIRD GERÄUCHERT?

Die Winterzeit ist die Zeit in welchen die Räume wenig belüftet werden, weil die Wärme drin bleiben soll. Wie im Haus, so in dem Stall oder anderen geschlossenen Räumen. Solche Räume sind wie ein Brutkasten für Keime, Bakterien und Viren, welche sich fröhlich vermehren und diverse Krankheiten verursachen können. Mit dem reinigenden Rauch wirkt man diesen entgegen. Daher werden die menschliche und auch die Behausungen der Tiere gründlich ausgeräuchert. Da früher die Krankheiten den bösen Geistern zugeschrieben wurden, räuchert man die bösen Geister raus. Während der Raunächte war die Räucherung besonderes wichtig, da sich an diesen Tagen viele Menschen einfach nur im Haus aufgehalten haben und die Nachbarn besuchten sich viel häufiger. Somit waren viel mehr Menschen in einem Raum zusammen als sonst. Auch die Bettler und arme Menschen klopften an die Türe. Um die Geister wohl zu stimmen tat man Gutes. Aber der Mensch wäre nicht der Mensch, wenn er nicht zusätzlich noch einiges zufügen würde. Neben der Räucherung wird auch orakelt, was das Zeug hält. Wir Menschen wollen immer wieder in die Zukunft schauen und zu diesem Zweck alle mögliche Signale, Boten und Mittel verwenden.

 

Wie man sieht, auch während der Rau-Nächte passieren viele wichtige Sachen. Am wichtigsten ist zu sich zu kommen, in die Kontemplation zu gehen und die Zukunft zu planen. Die Räucherung war damals sehr wichtig, denn die Krankheiten hat niemand gebraucht.